Maschinenfabrik Hermann Reichenbach |
Um 1840 | beginnt der Strumpfwirkermeister Hermann Reichenbach (07.04.1814 bis 10.07. 1881) mit dem Bau von Handkettenstühlen. Viele dieser Stühle verkauft er nach Apolda, wo er großes Ansehen genießt. | |
1854 | wird die Fertigung von Nähmaschinen, die H. Reichenbach selbst konstruierte, aufgenommen: Kranznähmaschinen, Rändernähmaschinen, Flachkettelnähmaschinen, hauptsächlich zum Nähen geschnittener Ware z. B. von Schlauchstrümpfen. Dies dürfte der Beginn des Spezialnähmaschinenbaues in unserer Gegend gewesen sein. Die Fertigung erfolgt im Haus Dorotheenstraße 34. | |
1856 | wird die Fertigung in das neu erbaute Fabrikgebäude, heute Albertstraße 14, verlegt. Der Handschwungradantrieb der Werkzeugmaschinen wird durch dampfmaschinenbetriebene Transmissionen ersetzt. Weil die Fabrikationsräume bald nicht mehr ausreichen, werden Werkstätten außerhalb des Fabrikgeländes eingerichtet, so in einem früheren Schulgebäude auf der Gasse (Helenenstraße 44) und in der Albertstraße 18. | |
1860 | konstruiert und fertigt H. Reichenbach eine Handschuhnähmaschine. Diese Maschine kostet 66 Taler. Sie wird in der Folgezeit zu tausenden gefertigt. Darüber hinaus werden Lizenzen zum Bau dieser Maschine an zwei Limbacher Firmen (Oskar Rudolph und Müller & Neumann) vergeben. | |
1868 | wird der Fabrikbau erweitert und die beiden Außenwerkstätten aufgegeben. Eine größere Dampfkraftanlage wird in Betrieb genommen. In dieser Zeit werden 30 - 40 Maschinen pro Woche ausgeliefert. | |
Neben vielen Patenten auf Spezialnähmaschinen oder deren Baugruppen und Nähtechnologien - wie Rundkettelmaschine mit senkrecht stehenden Aufstoßnadeln, Zylinderschlauch-Nähmaschine, Rechtsnaht für starke Tuchhandschuhe, Zylindernähmaschine mit meliertem Stich - erhielt H. Reichenbach ein Patent auf ein nichttropfendes Dampfventil. | ||
Der Absatz von Maschinen der Firma Reichenbach dehnt sich über Deutschland hinaus auf Frankreich, Italien, Russland, Schweden, Norwegen und die amerikanischen Staaten aus. | ||
1880 | Kurz vor seinem Tod nimmt H. Reichenbach die Fertigung von mechanischen Kettenstühlen auf, von denen offensichtlich nur wenige gebaut werden. | |
Nach dem Ableben Hermann Reichenbachs übernehmen die Söhne Ernst und Victor die Firma. Sie nehmen die Fertigung einer Cops-Spulmaschine, ausrüstbar mit 4 bis 60 Spindeln, auf. In dieser Zeit beschäftigt die Firma zwischen 40 und 50 Arbeiter. | ||
Ab 1887 | ist Victor Reichenbach der alleinige Inhaber der Firma. | |
Die bisherigen Ausführungen beziehen sich auf handschriftliche Aufzeichnungen des Sohnes von Hermann Reichenbach, Ernst Reichenbach aus dem Jahr 1925, die mit dem Übergang des Besitzes der Firma an seinen Bruder Victor Reichenbach enden. | ||
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Weitere spärliche Daten aus der Firmengeschichte sind in Adress- und Telefonbucheinträgen und aus einem Eintrag in ein Firmenregister bekannt. | ||
Adressbucheinträge | ||
1908 | Reichenbach, Heinrich Viktor, Nähmaschinenfabrikant, in Firma Hermann Reichenbach, Albertstraße 14 | |
1926 | Reichenbach, Eugen, Nähmaschinenfabrikant, Albertstraße 14 | |
Reichenbach, Georg, Maschinen- und Platinenfabrik, Schützenstraße 7 | ||
1929 | Reichenbach, Eugen, Maschinenbauer und Reparaturwerkstatt, Maschinen- und Platinenfabrik, Albertstraße 14 | |
Reichenbach, Georg, Maschinen- und Platinenfabrik, Schützenstraße 7 | ||
Eintragung im Firmenregister | ||
Fa. Reichenbach, Hermann, Albertstraße 14 - erloschen 04.06.1936 Max Eugen Viktor (das Geschäft wird als Kleinbetrieb fortgeführt.) | ||
Weitere Adressbucheinträge | ||
1937 | Reichenbach, Eugen, Maschinenbauer, Albertstraße 14 | |
Reichenbach, Georg, Maschinen- und Platinenfabrik, Schützenstraße 7 | ||
Branchentelefonbuch, Bezirk Karl-Marx-Stadt | ||
1968-1979 | Reichenbach, Georg, Nachfolger, Spezialreparaturwerkstatt für Rundwirkmaschinen, Inhaber: Walter Liebscher, Dr. Nuschke-Straße 14 (jetzt Albertstraße 14) | |
Das Gebäude Albertstraße 14 war noch bis etwa 1990 bewohnt. Im Jahr 2001 wurde es abgerissen. |
Verfasser | Frank Winter |
Quellen |
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Bild | Frank Winter |
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